Esebecker Straßennamen


Die heutigen Esebecker Straßennamen sind bis auf wenige Ausnahmen neueren Ursprungs. Einige entstanden im Zusammenhang mit den Bebauungsplänen für die Neubausiedlungen in den Jahren 1959 bis 1972. Die Straßennamen im Altdorf wurden erst nach der Eingemeindung Esebecks in die Stadt Göttingen im Jahre 1973 vom Ortsrat Elliehausen-Esebeck vorgeschlagen und vom Stadtrat beschlossen. Die damaligen Esebecker Vertreter im Ortsrat standen vor der nicht leichten Aufgabe der Findung offizieller Straßennamen. Die Situation stellte sich so dar:

Da der Ort sehr klein war (1910: 267 Einwohner und 1961:328 Einwohner) reichte es bis dahin völlig aus, eine Orientierung anhand der alten Hausnummern vorzunehmen. Die Hofstellen des Ortes waren deshalb systematisch durchnumeriert worden. So wußte bis dahin jeder, wer von den vielen Schliepers „Schlieper 20“ war. Daneben gab es überlieferte Bezeichnungen für die Straßen und Wege im Ort und in der Gemarkung (s. Lageskizze), die 1973 aber zum großen Teil nicht übernommen werden durften, weil es diese Namen schon in Göttingen oder in den schon zuvor oder zugleich eingemeindeten Dörfern gab. Die Esebecker Ratsherren behalfen sich dann so: Sie behielten die Namen bei, wo es ging, und schlugen entweder den Namen eines Flurstückes vor, in dessen Richtung die Straße führte, z.B. „Flachsrotten“ oder sie verwendeten lagebezogene Namen, wie z. B. „Über der Esebeeke“.



 

Im Folgenden werden die neuen und alten Straßennamen Esebecks aufgeführt und erläutert:



Oberdorf:

An der Insel: 1973 benannt nach einem Gartengelände gleichen Namens, das sich an der Stelle der Spar- und Darlehenskasse (heute: Geschäft Dempewolf) befand. Diese neue Bezeichnungen faßt drei Straßen zusammen, die früher folgendermaßen hießen: Im Winkel (hat die Form eines Winkels) Gasse („Chatze“), Schulstraße („Schaulstrote“: Sie ist ein alter, heute durch Steinmauern befestigter Hohlweg und führte zur Dorfschule, die am Thie lag - der heutige Kindergarten.).

Hummestal: Die Straße führt nach Emmenhausen an Dreischflächen (ehemalige Weideflächen mit Trockenrasen und Dornsträuchern) vorbei, die „Uppen Hummesdale“ und „Hummeseuber“ genannt werden. Alte Straßenbezeichnungen waren im oberen Teil: Am Anger oder Am Angerborn (Born = Brunnen), unterhalb der Kreuzung zum Sportplatz: Talstraße, etwa ab dem Aussiedlerhof: Mühlenweg (Er führte zur Getreidemühle, die sich in Emmenhausen an der Harste befand und war seit 1910 auch die Straße zum Bahnhof Emmenhausen, den die Esebecker zur Fahrt nach Göttingen nutzten.). Der inzwischen bebaute Anger lag bis zur Verkoppelung und Gemeinheitsteilung 1881 am Rande des mittelalterlichen Dorfes. Er gehörte zur Allmende und wurde von allen Reiheberechtigten (Holz- u. Weiderechte), den heutigen Realgemeindemitgliedern, zum Heumachen und zum Kleinviehhüten genutzt. An der südlichen Spitze befand sich das alte Spritzenhaus.

Über der Esebeeke: Durchgangsstraße Göttingen - Barterode, verläuft am Rande der Hochfläche über dem Tal der Esebeeke, alte Bezeichung: Hauptstraße („Hauptstrote“).

Seepoole: („Zepolen“) Eine Straße die zu einer ehemals breiteren Trift führte die nach Westen zum den Weidegebieten „Multhucken“ und zum „Breiten Holz“ führte. Der Weg verläuft in der Feldmark in einem Gelände, das sehr eben ist. Dort konnte das Wasser nicht in den Oberlauf der Harste - ein Trockental- abfließen und bildete kleine Wasserflächen (= „Pool“. Jedoch waren sie so flach, daß sie nicht als “swimming pool“ geeignet waren.) und Sumpfstellen, die ackerbaulich erst nach der Anlegung eines tiefen Grabens und einer Drainage genutzt werden konnten.

Zum Kuhberg: Eine 1973 benannte Straße die in Richtung des Kuhbergs verläuft und im unteren Teil ungefähr identisch ist mit der Trasse des alten Harster Weges.


Unterdorf

Am Stratenborn: Benannt nach einem Brunnen, der in der Nähe liegt (s. Hinweistafel im oberen Teil der Straße „Zur Quelle“). Sie ist die alte mittelalterliche Hauptstraße des Dorfes. Die Hofstellen beiderseits der Straße „Über der Esebeeke“ und rund um den Anger sind erst später entstanden. Durch jahrhundertelange Benutzung dieser früher nicht befestigten Straße hat sich am alten Dorfeingang ein Hohlweg entwickelt, der früher Dunkle Straße („Düstere Strote“) hieß. Der Dorfeingang war ein größerer Platz, an dem die Wege von Elliehausen und Knutbühren zusammentrafen. Dort lag ein Brunnen („Am Brunnen vor dem Tore“) und das Hirtenhaus (heute Familie Hinterthür). Der Brunnen wird auch „Heerbrunnen“ genannt, weil dort im Siebenjährigen Krieg (1756-63) die französischen Truppen, die in der Esebecker Feldmark längere Zeit ein großes Heerlager hatten, ihre Pferde tränkten, nachdem die Seepoolenteiche von den Pferden ausgetrunken worden waren. Die Dunkle Straße führte zum Thie, der vor der alten (später Lehrerwohnhaus) und der „neuen“ (heute Kindergarten) Schule liegt. Er war der Versammlungsplatz der Gemeinde, an dem früher alle das Dorf betreffende Fragen geregelt wurden, wie Feldbestellung, Erntetermine, Holzverlosung, obrigkeitsstaatliche Mitteilungen, Anordnungen und Musterungen. Er war gleichzeitig auch Schulhof. Der untere Teil der heutigen Straße „Stratenborn“ hieß Im Strumpf („Im Strumpe“), weil er die Form eines Strumpfes hat, der bekanntlich unten geschlossen ist.

Flachsrotten: Eine Straße, die an den ehemaligen Flachrotten (gegenüber vom heutigen Standort des Feldhüterhauses) beginnt und im unteren Teil Am Bache („An der Beeke“) hieß und neben und z. T. in der offen fließenden Esebeeke verlief (vor Schliepers, Lueherts, Wiesenmüllers und Arnolds Häusern) und zum Strull führte, eine der drei Hauptquellen der Esebeeke. Der Strull führte ganzjährig Wasser und floß plätschern aus einem Rohr in einen langen Holztrog, der als Viehtränke und Waschplatz diente. In trockenen Jahren holten sich die Oberdörfler von dort auch Wasser. Die Flachsrotten geben zwei weiteren Straßen ihren Namen, die sich im östlichen Neubaugebiet am Hang zur Schweineweide hin befinden.

Zur Quelle: Die Straße verläuft vom Stratenborn etwa Richtung Strull. Sie wurde früher Bachstraße („Beekstrote“) genannt und nach der Eingemeindung in „Zum Stull“ umbenannt. Es entstand aber eine Anwohnerinitiative, die eine Umbenennung der Straße forderte. Begründet wurde dies mit einer unzumutbaren Hänselung ihrer Kinder in der Elliehäuser Schule, die dort mit „Die Struller“ geneckt würden. Da sich aber alle Esebecker Kinder später einmal gern an ihren Heimatort erinnern sollten, wurde die Straße schließlich in „Zur Quelle“ umbenannt, wonach wieder Frieden in die Bachstraße einkehrte.


Westliche Neubausiedlung

Bührener Weg: Er liegt im Baugebiet 1 und ist im Teilbebauungsplan 1959 nach dem alten kommunalen Verbindungsweg Esebeck - Knutbühren benannt worden, der während der Verkoppelung im vergangenen Jahrhundert beseitigt wurde und bei der Einmündung des Grimmengartens in den heutigen Bührener Weg diesen kreuzen würde, wenn es ihn noch gäbe. In der angrenzenden Wiese ist der alte Weg noch als langgestreckte Bodenvertiefung zu erkennen.

Grimmengarten: Die Bezeichnung geht auf einen dort befindlichen Flurnamen („Chrimmenchoarn“) zurück.

Kleehöfen: Ebenfalls 1959 gewählte Bezeichnung, die an ein im Bereich dieser Straße gelegenes Flurstück erinnert („Kleehöbn“). Die Übersetzung des alten Namens muß so nicht stimmen, denn anstelle von „Höfen“ könnte auch „Höhen“ gemeint sein. Höfe in der Feldmark sind meist mit einem Zaun oder dichter Hecke eingezäunte Anbauflächen, die so vor dem Weidevieh geschützt werden sollten. An dieser Straße entstanden, die ersten Neubauten der Nachkriegszeit mit kleinen Ställen und großen Gärten, damit sich die Bewohner z. T. selbst versorgen konnten.


Östliche Neubausiedlung

Am Steinborn: Nach einer der Hauptquellen der Esebeeke benannte Straße. Sie führt an der Schweineweide („Swinewade“) mit der Schweinesuhle und den Überresten eines Reichsarbeitsdienstlagers für Frauen der Nationalsozialisten, „Maidenlager“ genannt, vorbei in einen Teil der Neubausiedlung, der mit dem Bebauungsplan Nr. 4 im Jahre 1972 erschlossen wurde. Der Steinborn befindet sich, nur schwer einsehbar, auf dem Grundstück der Familie Voigt etwas unterhalb der Straßenkreuzung. In die Schweinesuhle und auf die angrenzende Schweineweide trieb der Schweinehirt die Tiere, nachdem er sie hornblasend eingesammelt hatte.

Über den Beekhöfen: Im Bebauungsplan Nr. 2 im Jahre 1963 ausgewählter Name, der verdeutlichen soll, daß diese Straße über den Beekhöfen (= Bachgärten) liegt, die sich in Verlängerung dieser Straße nach Norden gegenüber dem Feldhüterhaus an der Esebeeke befinden.

Unter der Rodebreite: Eine Bezeichnung, die im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan Nr.3 im Jahre 1968 entstanden ist. Die Flur „Rodebra“ befindet sich jedoch  200 Meter weiter östlich schon auf dem Kuhberg und ist ein Gewann, das im Verlaufe einer spätmittelalterlichen Waldrodung entstanden ist und in dem jeder Markgenosse ein schmales Stück Eigenland besaß.

Vor dem Berge: Jüngster Straßenname aus den 1990er Jahren. Liegt in einem hängigen Flurstück mit der selben Bezeichnung („Vorm Barje“). Die Straße verläuft fast genau auf einem alten Verbindungsweg nach Holtensen. Die alte Bezeichnung Holtenser Weg  konnte jedoch nicht genommen werden, da es diesen Straßennamen bereits in Göttingen gibt.